Pfarrei St. Amandus Kordel

Im Jahr 1174 wird Kordel als eigenständige Pfarrei mit eigenem Pfarrer aufgeführt. Die Gründung der Pfarrei geht aller Wahrscheinlichkeit auf Erzbischof Albero zurück, der auch die Zisterziensermönche nach Winterbach gerufen hatte und nach deren Wegzug nach Himmerod den kleinen Ort im Kylltal nicht ohne ständigen Seelsorger lassen wollte.

Die alte Kirche

Von der alten Kordeler Kirche, die an gleicher Stelle in der heutigen Friedhofstraße stand, gibt es sehr wenig schriftliche Aufzeichnungen und keine bildliche Darstellung. Der Bau stammt aus dem 15. oder 16. Jahrhundert. Vorher gab es aller Wahrscheinlichkeit nach schon ein kleines Kirchlein in Kordel.

Der Nachfolgebau, der im Jahre 1865 der heutigen Kirche weichen musste, stand in nord-südlicher Richtung an der Dorfstraße und war ursprünglich 54x23 Fuß (ca. 15x6,50 m) groß. Um 1720 wurde das Schiff um 14 Fuß nach Westen und um 1780 um 10 Fuß nach Osten erweitert. Diese Anbauten wurden neben den Altarraum bzw. neben das Turmhaus gesetzt. Unsere Vorfahren schauten also aus drei verschiedenen Richtungen auf den Altar.1847 hatte die Kirche eine Gesamtlänge von 70 Fuß (ca. 20m).

An der Südseite, westlich neben dem Schiff, stand der Kirchturm. Er war ursprünglich mit einem steinernen Helm gekrönt. Dieser stürzte 1686 wegen Baufälligkeit und eines starken Sturmes ein. Die Pfarrei ließ ihn noch im gleichen Jahr wieder aufbauen, diesmal aber mit einem hölzernen, mit Schiefer gedeckten Spitzenhelm. Die Turmhalle diente bis zum westlichen Anbau im Jahre 1720 als Sakristei, wurde dann aber in den Kirchenraum eingegliedert. Das Innere war kellerartig mit sehr niedrigem Kreuzgewölbe. Von der Dorfstraße führten 5 Stufen ins Innere hinab, weshalb die Kirche auch sehr feucht war (sie stand im Grundwasser und Hochwasserbereich der Kyll). Im Inneren war eine viereckige Steinkanzel – Wandgemälde gab es keine. Die Kirche hatte kleine Rundbogenfenster. Sie besaß drei Altäre, einen Haupt- und 2 Seitenaltäre. Der Chorraum war in viel späterer Zeit als das Schiff erbaut worden. Weil er keine festen Verbindungen zum ursprünglichen Bau und wohl auch keine soliden Fundamente hatte, kam es zu starken Senkungen im Chormauerwerk und im Gewölbe, so dass dieser Teil im Jahre 1863 einzustürzen drohte.

Die Kirche hatte ein aus drei Bronzeglocken bestehendes Geläut. Viel ist nicht mehr von dieser alten Kirche erhalten geblieben.

Das Taufbecken dient wieder seinem ursprünglichen Zweck. Daneben gehören noch ein silberner Kelch aus dem Jahre 1556 und der „Diewelter Heilige“ zu den wenigen Überbleibseln aus der alten Kirche. Nach allen vorliegenden Beschreibungen und Plänen hat Thomas Mäs eine Zeichnung der alten Kirche angefertigt. Im September 1865 wurde die alte Kirche abgerissen. Bis zur Fertigstellung der neuen Kirche wurden die Gottesdienste zuerst in der Scheune der alten Schule und später im Pfarrwirtschaftsgebäude abgehalten.

Die neue Kirche

Da im 18. Jahrhundert die Bevölkerung stark zunahm, wurde die alte Kirche viel zu klein. Die beiden Anbauten waren Notlösungen, so dass man den Bau einer neuen Kirche anstrebte.

Der Weg zur Genehmigung einer neuen Kirche
Am 5.7.1829 trug der Pfarrer Andreas Bischof dem Kirchenrat die Notwenigkeit eines ganz neuen Kirchenbaues vor. Obwohl das Problem immer drängender wurde, kam es nicht zu einer konkreten Planung. Die Kirchengemeinde verfügte nicht über die erforderlichen Gelder. 1835 verstarb Pfarrer Bischof und sein Nachfolger Peter Wagner bemühte sich redlich und stellte laufend neue Anträge. Seine Klagen nahmen ernstere Folgen an. Es kam zu Zerwürfnissen zwischen Gemeinderat und Pfarrer. Wegen zunehmender Altersschwäche wurde Pfarrer Wagner 1851 in den Ruhestand versetzt. Die Pfarrei bekam in den folgenden zwei Jahren keinen neuen Pfarrer. 1853 wurde eine Kommission unter Leitung des Schweicher Dechanten Becker mit der Untersuchung der kirchlichen Verhältnisse in der Pfarrei Kordel beauftragt. Der Bericht dieser Kommission endete wie folgt: "Wenn ein kräftiger, seeleneifriger und gesonnener Pfarrer nach Kordel geschickt wird, wird dieser, wie ich glaube, die Gesinnung ändern und bald den notwendigen Neubau der Kirche erreichen können, weil es nicht an Mitteln, sondern an guten Willen dazu fehlt."

Ende 1853 bekam Kordel schließlich den rührigen neuen Pfarrer Johann-Peter Badem. Mit zäher Ausdauer erwarb er sich das Vertrauen der Bevölkerung. Es gelang ihm, die Bevölkerung von der Notwendigkeit einer neuen Kirche zu überzeugen. Leider erreichte er dies nicht bei den Männern des Gemeinderates, die das Geld dafür zur Verfügung stellen konnten. So dauerte es noch fast 10 Jahre, bis die Planungen konkretere Formen annahmen.

Schon 1862 hatte Bügermeister Aich aus Ehrang den Kommunalbaumeister Pleimes aus Trier mit Planung und Kostenermittlung einer neuen Kirche für das Dorf Kordel beauftragt. Diese Ergebnisse wurden dem Gemeinderat zur Beschlussfassung vorgelegt, wo wiederum viele Einwände vorgebracht wurden. Der Kostenvoranschlag belief sich auf 13.500 Taler. Da ein Teil der vorhandenen Gelder für die Reparatur der Kyllbrücke verwendet werden sollte, verweigerte man den Neubau. Man sprach sich mit Mehrheit für eine Vergrößerung der alten Kirche aus und stellte dafür 6.000 Taler in Aussicht. Auch die Einwände von Bürgermeister Aich, dass dies wegen des schlechten Zustandes der alten Kirche eine Verschwendung sei, fruchtete nicht.

Eine weitere Ratssitzung wurde anberaumt und Baumeister Pleimes geladen, der einen Situationsbericht gab. Wegen der starken Senkung im Chormauerwerk sei das Gewölbe so stark gerissen, dass eine Wiederherstellung nicht möglich sei. Doch wiederum verweigerte der Gemeinderat seine Zustimmung mit der Begründung, die Leistungsfähigkeit der Gemeinde werde durch diese Ausgabe zu sehr beeinträchtigt.

Nachdem das Gewölbe an mehreren Stellen einzustürzen drohte verging noch ein ganzes Jahr, bis der Gemeinderat am 17.7.1864 den Neubau genehmigte. Zusätzliche Holzfällungen, die bis zu 8.000 Taler einbringen sollten, wurden genehmigt, um die Finanzierung sicher zu stellen. Dies bedeutete wiederum eine Verzögerung des Baubeginns um einige Jahre. Im April 1865 gab der Gemeinderat endlich grünes Licht für die sofortige Bauausführung und genehmigte die Ausschreibung der 75 Fuß langen und 34 Fuß breiten Kirche mit einem Bauvolumen von 12.857 Taler.

Die Zeit des Kirchenbaus

Die Bauleitung hatte Kommunalbaumeister Pleimes aus Trier.

7.8.1865
Der Bau wurde ausgeschrieben. Den Zuschlag erhielt Baumeister Mendgen aus Zurlauben/Trier. Um genügend Baufläche zu erhalten, kaufte die Gemeinde die Wohnhäuser der Witwe Matthias Lieser und des Peter Steinmetz auf und ließ diese abreißen. Jodoc Weber und Matthias Backes tauschten die angrenzenden Gärten gegen anderes Kirchenland ein.

23.10.1865
Feierliche Grundsteinlegung im Beisein der ganzen Gemeinde. Eine Bleiplatte, in die der folgende Text eingeritzt war, wurde im Grundstein versiegelt: "Sub pontifice Pio IX, Borrussorum rege Wilhelm II, episcopo Leopold Pelldram, pastore paroch. Joh.-Peter Badem, praefecto Treferensi Barone Julius de Schleinitz, subpraefecto E. Otto Spangenberg, consule Franz Aich, dirigente architecto Johann Pleimes, fabrio aedific. Dominik Streit et Josef Mendgen primus lapis angularis hujus ecclesiae paroch. in Cordel anno Domini MDCCCLXV die XXIII Octobre positus est präesentibus consiliaris communitatis: Theodor Reisen, Christoph Thiel, Joh.-Joseph Thiel, Matthias Wolsfeld, Dominik Hein u. Joh.-Joseph Roth et eclesiae fabricae consuliaries Christoph Thiel, Theodor Reisen, Johann Weber, Amandus Hermes u. Jakob Roth. Pastorem cum grege benedicat Dominus et locum."

15.8.1866
Die Firma Glas-Fries aus Trier erhält den Zuschlag für die Kirchenfenster. Es wurden spitzeckige Scheiben mit hellem oder weißem Glas verbleit eingesetzt.

15.12.1866
Johann Bethge aus Löwenbrücken (Trier) erhält den Zuschlag für das Kirchturmkreuz mit Hahn.

Juli 1867
Der erste Gottesdienst wird in der neuen Pfarrkirche gefeiert. Den Rohbau weihte mit bischöflicher Erlaubnis erstmals Pfarrer Badem. Die feierliche Einsegnung durch den Bischof sollte erst bei der endgültigen Fertigstellung erfolgen.

26.12.1873
Pfarrer Badem verstarb ganz plötzlich und die Stelle konnte nicht mehr besetzt werden. In der neuen Kirche fehlten noch immer Altäre, Kanzel, Beichtstühle, Kommunionbank und Taufstein. Die Pfarrei Kordel war über 10 Jahre verwaist.

7.2.1880
Der Kirchenvorstand beschloss, die Ortsgemeinde auf Ausstattung der Kirche mit Kirchenmöbel zu verklagen, da eine gütliche Bewilligung nicht zustande kam. Das Trierer Gericht gab dieser Klage nicht statt und die Kirchengemeinde sollte auch noch die Gerichtskosten übernehmen. Da sie hierzu nicht in der Lage war, übernahm die Zivilgemeinde großzügig die angefallenen Kosten.

21.2.1884
Aufgrund eines Gesuches des Kirchenvorstandes bekam die Pfarrei St. Amandus wieder einen eigenen Pfarrer, nämlich den Hilfsgeistlichen Karl-Peter Schmitz. Da der Pfarrhausbau immer wieder verzögert wurde, wurde er jedoch wieder von der bischöflichen Behörde abgerufen.

April 1884
Die Kirchenmöbel wurden von der Firma Carl Kiefer aus Trier geliefert: Hochaltar, zwei Seitenaltäre, Kommunionbank, Kanzel, zwei Beichtstühle und der Taufstein. Es folgten die 14 Kreuzwegstationen für das Kirchenschiff, die nach Vorlage des Künstlers Führich von Kirchenmaler Steffgen aus Trier in Öl gemalt wurden. Die Rahmen fertigte der Kordeler Schreinermeister Lentes.

4.5.1885
Feierliche Altarkonsekration durch Bischof Felix Korum. In den Hochaltar wurden die Reliquien Trierer Märtyrer und der Heiligen Lioba eingeschlossen.

und weitere Arbeiten...

10.8.1886
Das Dach von Kirche und Turm wurden bei einem schweren Gewitter stark beschädigt. Die Reparatur erfolgte durch Dachdecker Backes aus Pfalzel.

6.9.1886
Die Kirchenfenster wurden von der Glasfirma Binsfeld aus Trier repariert.

30.1.1894
Der Ortsgemeinderat beschließt, die Kosten für die Ausfugung des Mauerwerks und für den inneren Anstrich zu übernehmen. Die Arbeiten wurden von der Baufirma Peter Lieser aus Kordel ausgeführt.

1895
Die Empore wird vergrößert. Die noch heute stehenden Säulen wurden von der Quinter Hütte gegossen. Durch diese Vergrößerung mussten auch die Fenster in diesem Bereich tiefer gelegt werden. Die Firma Glas Fries aus Trier setzte die neuen Fenster ein und baute zusätzlich 4 bewegliche Teile zum Belüften der Kirche ein.

1897
Die Kirche erhielt von Dekorationsmaler Sternberg aus Trier einen neuen Innenanstrich.

31.10.1902
Die Statuen "Herz Jesu" und "Herz Marien" wurden beim Kirchenausstatter Louis Kieffer in Trier mit den dazugehörigen Konsolen bestellt.

April 1903
Kirchenmaler Anton Sternberg aus Trier arbeitete die bestehenden Innengemälde auf und vergoldete Teile der Seitenaltäre.

1906
Kirche und Pfarrhaus wurden an die Wasserversorgung angeschlossen. (Fa. Schenck u. Remm, Saarbrücken)

5.2.1909
Der Kirchenrat beschloss, Kirche und Pfarrhaus mit elektrischer Beleuchtung zu versehen.

1917
Im 3. Kriegsjahr wurden 3 wertvolle Bronzeglocken der Pfarrkirche aus den Jahren 1578, 1716 und 1731 für Kriegszwecke beschlagnahmt und eingeschmolzen.

14.12.1920
Die Pfarrgemeinde erhielt als Ersatz für die beschlagnahmten Glocken ein neues Geläute der Saarburger Firma Mabilon. Die Kosten dafür übernahm die Zivilgemeinde.

1923
Der neue Friedhof wird angelegt. Vor dem neuen Friedhof wurde das Kriegerdenkmal zu Ehren der gefallenen Soldaten des 1. Weltkrieges errichten. Die Bildhauerarbeiten erledigte Steinmetz Josef Kirkartz aus Morbach und die Steinmetzarbeiten die Firma Josef Schaffner aus Kordel. Am Sonntag nach Allerseelen fand die Einweihung statt.

1925
Die Stufen vor der Kommunionbank wurden von der Marmorfirma Wilhelm Braun aus Trier durch einen Granit-Stein ersetzt.

1926
Der Bodenbelag im Mittelgang vom Eingang bis zur Kommunionbank sowie der Belag des Glockenturmes wurden durch Fliesen der Mettlacher Plattenfabrik erneuert. Die Firma Hubert Prim aus Trier erledigte diese Neugestaltung

26.12.1932
Orgelweihe der neuen Orgel

1934 wurde der Eingangsbereich umgestaltet und eine Heizung eingebaut.

1946-1953 wurden die Kriegsschäden beseitigt.

Es folgten zwei Renovierungen: 1958 und 1978-1992

2005 Einsegnung der Totenglocke auf dem Friedhof

Quelle: 125 Jahre Pfarrkirche St. Amandus Kordel

2012 Einweihung der neuen Conacher-Fasen-Orgel