Pfarrei St. Amandus Kordel

Die Kordeler Kirchenglocken

Schon die im Jahre 1865 abgerissene alte Kordeler Dorfkirche besaß ein aus drei Glocken bestehendes Geläut. Im Turm hingen damals wertvolle Bronzeglocken aus dem 16. und 18. Jahrhundert. Ihre Inschriften lauteten:
S. ROMANUS HEISEN ICH, LEONHART WULFF VAN TRIER GOSS MICH 1578

SANTE AMANDE ET WOLFGANGE EPISCOPI ORATE PRO NOBIS. FULGURA CUM TONITRU DAMNOSUM DISSIPO VENTUM SAGAS HINC PELLO BEELZEBUB INDE FUGO Matthias FREYWALDT ME FECIT 1716

(Ihr heiligen Bischöfe Amandus und Wolfgang, bittet für uns. Blitz und Donner, den unguten Wind, zerstreue ich, schlimme Hexen vertreibe ich, von hier den Teufel verjage ich. Matthias Freywaldt hat mich gegossen 1716)

DAMNOSUM DISSIPO VENTUM, SAGAS HINC PELLO BEELZEBUB INDE FUGO. MICH HAT LASSEN GIESSEN DIE GEMEIN CORDELL 1731

Nach dem Neubau der Pfarrkirche wurden sie 1867 in den neuen Glockenturm geracht. Zwei fielen dem Ersten Weltkrieg zum Opfer, als sie eingeschmolzen und das Material für Kriegszwecke Verwendung fand. Die kleinste davon überstand den Krieg.

Schon 1921 konnten mit finanzieller Unterstützung der Zivilgemeinde drei neue Glocken bestellt werden. Sie wurden bei der Firma Mabilon in Saarburg gegossen.

1. Die Kriegerglocke
BELLO NATIONUM NEFANDO ABLATA SUM MUNIFICENTIA PAROCHIA NOVUM VEDU SUB PAROCHO JAKOB KLOSS A.D. 1921
2. Die Marienglocken
AVE GRATIA PLENA
3. Die Amandusglocke
ST. AMANDOE PATRONE ECCLESIA NOTRAE: NO PRO VOBIS

Sie waren in den Tonlagen a, h und cis gestimmt und wogen insgesamt 900 Kilogramm. Der Lieferpreis belief sich abzüglich der Erstattungen für in Zahlung gegebenes Material und Skonto auf 40.203,- Mark. Dieser Betrag wurde ganz von der Zivilgemeinde übernommen. Nur die Kosten für die Erneuerung des Glockenstuhls fielen der Kirchengemeinde anheim.
Ihre Einsegnung nahm Dechant Ziegenhagen aus Ehrang vor, die Festpredigt hielt Domkapellmeister Stockhausen aus Trier.
Leider war ihnen kein langes Leben vergönnt. Schon 20 Jahre später wurden sie im Zweiten Weltkrieg beschlagnahmt und am 9. März 1942 abgeholt und eingeschmolzen.

Die heutigen Glocken der Pfarrkirche

Erst 8 Jahre nach Beendigung des Zweiten Weltkrieges konnten sie dank der Spendenbereitschaft der Bevölkerung durch neue ersetzt werden. Begreiflich war die große Freude der Gemeinde, als die neuen Glocken zum ersten Mal nach dem Krieg den Weißen Sonntag 1953 einläuteten. Eine Woche zuvor und zwar an Ostermontag weihte Dechant Schieben aus Ehrang die ersten 3 Glocken des neuen Geläutes. Sie waren auf einem festlich geschmückten Gerüst vor dem Josefsaltar aufgestellt worden und wurden nach den Weihefeierlichkeiten zum ersten Mal von den Messdienern zum Erklingen gebracht. Sie sind den Heiligen Martin, Amandus und Michael geweiht. Die letzte und größte Glocke hat die Muttergottes als Patronin. Sie konnte erst zu Pfingsten des gleichen Jahres nachgeliefert werden.

Die Glocken wurden in einen eisernen Glockenstuhl montiert und brauchten auch nicht mehr von Hand bewegt zu werden. Eine elektrische Läutemaschine übernahm die Funktion der Messdiener oder des Küsters.

Die neuen Glocken aus Stahlguß wiegen 1.100, 630, 430 und 280 Kilogramm und sind in den Tonlagen es - ges - as und b gestimmt.
Alle Kosten für die vier neuen Glocken beliefen sich auf rund 20.000,- DM. Dazu kamen Auslagen für den Glockenstuhl und den elektrischen Antrieb. Die Zivilgemeinde gab einen Zuschuss in Höhe von 5.000,- DM und dank der Opferbereitschaft der Kordeler Bürger war diese Hürde schnell genommen.
Heute ist die Schaltanlage der Glockenbedienung automatisiert.
Die Glocken selbst aber erschallen wie schon vor einigen hundert Jahren durch das enge Kylltal und rufen zu Gottesdiensten und den verschiedensten Anlässen.


Glockenweihe am Ostersonntag 1953

Quelle: 125 Jahre Pfarrkirche St. Amandus Kordel