Pfarrei St. Petrus Welschbillig

Das Petruspatrozinium und die sonst bei römischen Großgütern gemachte Erfahrung lassen den Schluss zu, dass auch in Welschbillig das Christentum schon in spätrömischer Zeit Fuß fasste (Ende des 4. Jahrhunderts).
Die Pfarrei war vor 1800 rein katholisch.

Die alte Kirche

Die erste Kirche im Ort stand wohl im römischen Villenbering. Vermutlich um 1328 wurde eine neue Kirche erbaut. Dieser Bau dürfte auf dem heutigen Friedhof gelegen haben.
Um 1470 wurde die Kirche hier neu erbaut oder evtl. nur neu eingewölbt. Weitere Arbeiten erfolgten um 1511-1531.
1669 musste sie nach Zerstörung durch holländische Truppen neu aufgebaut werden. Im "letzten Frantzenkrieg" 1711 war die Kirche eingeäschert worden. 1743 ist die Kirche innen zwar dezent, aber außen nicht. 6 Jahre später brannte das Strohdach beim großen Dorfbrand erneut ab. Die Reparatur musste dieses Mal sofort vorgenommen werden, denn schon im selben Jahr wurden die heruntergefallenen Glocken neu gegossen und im darauffolgenden Jahr eine neue Turmuhr angefertigt. Der Turmhelm wurde 1763 neu gedeckt. 1774 wurden zwei neue Querschiffe mit zusätzlichen Emporen eingerichtet.
1776 war die Kirche in gutem Zustand und hatte drei neue konsekrierte Altäre. 1863 wurde eine neue Empore aufgebaut. Der luxemburgische Staatsarchitekt K. Arendt gibt 1875 eine genaue Baubeschreibung: Die ursprünglich spätgotische Hallenkirche hatte sechs freistehende Säulen mit 37 bzw. 57 cm Durchmesser. Die beiden größeren trugen unzulässigerweise die kirchenwärts gelegene Seite des über dem Gewölbe noch 8,50 m hochgemauerten Turmes, der insgesamt 28 Meter hoch war. Das Hauptschiff war in der Mitte 6,40 m, an den Seiten 5,00 m hoch und 7,80 m breit. Das Querschiff war 15,80 m breit und 10 m tief und bezog drei Gewölbejoche des Altbaus mit ein. Dieser neue Teil war 6 m hoch und hatte ein natürliches Tuffsteingewölbe ohne Gräten, während das alte Schiff ein Kreuzgewölbe aus schweren Kalksteinen hatte, dessen gekehlte Rippen unmittelbar aus den Säulenschäften heraussprangen. An den beiden Enden des Querschiffs befanden sich Ducksäle (Emporen) wie auch im Kirchturm. Infolge des Seiteneingangs hatte das Schiff an dieser Seite nur vier, sonst aber fünf Fenster. Wegen der an der Südostecke angebauten Sakristei, die 3,88 mal 3,57m groß war, waren im Chor ebenfalls nur vier Fenster. Alle Fenster waren halbrundgeschlossen und reichten bis 1,90m über dem Fußboden herab.

Leider gibt es kein Originalbild der mit dem Chor fast 30 Meter langen Kirche. Peter Metzdorf male jedoch nach Angaben seines Vaters, aber ohne Kenntnis der Grund- und Aufrisszeichnung ein Bild, welches nach Korrigierung der spitzbögigen Fenster im wesentlichen stimmen dürfte.

 

Am 20.1.1873 berichtet der Kirchenvorstand, die alte Kirche sei trotz zweier Messen am Sonntag zu klein, die Wände seien feucht und schwarz und die Bänke größtenteils schadhaft. Ein Neubau wäre einer Restaurierung vorzuziehen.
Weil Dombaumeister Reinhold Wirtz eine Erweiterung der alten Kirche nicht guthieß, zog man einen weiteren Fachmann hinzu. Doch schloss sich der luxemburgische Staatsarchitekt K. Arendt nicht nur dem Urteil des Dombaumeisters an, sondern riet schon 1875 dazu, den Turm abzutragen, da er die Statik gefährde. 1882 wurde dann endlich der Turm abgetragen und die Glocken abgenommen. Die Glocken läuteten dann bis 1890 auf einem Holzgerüst neben der alten Kirche.
1891 wurde die alte Kirche abgerissen und brauchbare Dinge und Materialien versteigert.

Quelle: Welschbillig und seine Umbebung (Eduard Lichter)

Der Bau der neuen Kirche

Die katholische Pfarrkirche St. Petrus in Welschbillig:
Wegen ihrer erhabenen Lage über dem Tal der Kyll und ihrer proportionierten Großzügigkeit seinerzeit von Bischof Korum mit dem Ehrentitel "Eifeldom" versehen.
1889-1895 auf dem Gelände der ehemaligen kurfürstlichen Burg in Welschbillig nach den Plänen des Trierer Dombaumeisters Reinhold Wirtz als dreischiffige "Querholzbasilika" mit polygonalem Chorabschluss und mächtigem Westturm in neugotischem Stil erbaut.

 

20.01.1873 Der Kirchenvorstand machte die erste Eingabe für einen Neubau.
20.06.1873 Der Bau wurde von Dechant Reis (Butzweiler) befürwortet.
30.05.1875 Erster Kostenvoranschlag wurde auf 30.000 Taler angesetzt (R. Wirtz)
08.06.1875 Dombaumeister R. Wirtz und der luxemburgische Staatsarchitekt Arendt stimmen aus statischen Gründen gegen den Plan des Bischöflichen Generalvikars, die alte Kirche zu vergrößern. Diese hatte ohne Chor nur 240 qm und Platz für 600 Besucher, während die neue Kirche ohne Chor 520 qm und Platz für 1300 Besucher haben sollte.
20.10.1882 Bereitschaft der Gemeinde, das Gelände der alten Kirche nach deren Abriss zur Friedhofserweiterung für 15.000 Mark zu erwerben.
17.3.1884 Ankauf des vier Morgen großen Burgareals von den Eheleuten Schmitt-Burg und Johanneta Lucas unter Eintausch des alten Pfarrhauses am Friedhof mit dem Pfarrgarten für 13.500 Mark.
11.12.1884 Nach der Ausschreibung in der Trierischen Landeszeitung und der Trierischen Zeitung wird Dombaumeister Wirtz beauftragt.
30.04.1887 Ein zweiter Kostenvoranschlag wurde von R. Wirtz auf 90.000 Mark angesetzt.
23.05.1888 Bürgermeister Hegner stellt den Bauerlaubnisschein aus.
06.07.1888 Der Bauplatz ist bezahlt und die Finanzierung sicher.
23.08.1888 Bauvertrag mit Carl Waxweiler, Bitburg, Geprüfter Baugewerksmeister, Bauunternehmer und Steinbruchbesitzer
Herbst 1888 Legung der Fundamente bis zur Bodenhöhe
10.06.1889 Der Bruder des Vorsitzenden des Kirchenvorstandes, der aus Helenenberg stammende Pfarrer zu Euren, Joh. Nikolaus Limbourg, legt den Grundstein zum Neubau.
1889 Fortführung des Baus bis zur Eindachung noch vor dem Winter.
21.01.1890 Übertragung der Gewölbearbeiten an die Firma Gebr. Hirschauer, Kerprichhemmersdorf.
27.02.1890 Unternehmer Carl Waxweiler liquidiert schuldenhalber. Pfarrer Schirm führte dann in eigener Regie den Bau zu Ende.
1890 Weiterbau des Turmes, Außenverfugung sämtlicher Mauern und Bewerfen der Innenmauern. Fußbodenlegung, Einsetzen von Türen und Fenstern.
16.11.1890 Benedizierung der neuen Kirche und Feier der 1. Hl. Messe in der neuen Kirche durch Pfarrer Kirsch.
Weil man zu den Bauschulden keine neuen Schulden machen wollte, blieb die Kirche bis 1910 ungetüncht stehen.

Ein Unglück war beim ganzen Kirchenbau nicht vorgekommen.

1892 Pflasterarbeiten vor der Kirche und Erstellung der Abschlussmauer zwischen Kirche und Mühlenstraße durch Unternehmer J. Meyer.
1893 Aus den Steinen der abgerissenen alten Kirche erstellt Nikolaus Gangolf die Friedhofsmauer.
01.10.1893 Errichtung und Einweihung des Kreuzweges in der Pfarrkirche. Die Bilder stammen von Kunstmaler Steffgen, Trier, die Rahmen von den Gebr. Johann und Nikolaus Lichter, Gilzem, die auch die Chorbühne und die beiden Nebenaltäre schufen.
1894 Errichtung des Hochaltars, zunächst nur mit Petrus und Paulus (Bildhauer Matthias Zens). Die Statuen Herz-Mariä und Antonius kamen aus Oberammergau. Nur die beiden Statuen auf den Nebenaltären sind aus Terracotta (Mutter Gottes und Josef) und wurden vom Bildhauer Walter in Trier gefertigt.
Die Kirchenbänke wurden aus kircheneigenem Holz von den Welschbilligern Schreinern Bernard Dahm, Christian Peters und Matthias Roth gefertigt.
03.07.1895 Konsekration der Pfarrkirche durch Weihbischof Karl Ernst Schrod.
Im Hochaltar wurden Reliquien des Hl. Liberatus und der Unzähligen Märtyrer von Trier - St. Paulin eingeschlossen.
1906 Neue Beichtstühle
1908 Ein neues vierstimmiges Glockengeläute (Hamm und Söhne, Frankenthal) wurde eingeweiht. Nach wenigen Jahren wurde es im Ersten Weltkrieg beschlagnahmt.
1909/11 Erweiterung des Hochaltares um die Holzstatuen Martinus und Donatus. Diese Holzstatuen schnitzte, wie auch Aloysius und Barbara sowie die Schutzengel, der Bildhauer Matthias Zens.
1910 Der Verkauf der Helenenberger Kapelle an die Salesianer setzte die Pfarrei endlich in den Stand, eine Heizung einzubauen und auch die Kirche selbst ausmalen zu lassen.
Neue Chorfenster, passend zur Ausmalung (Binsfeld, Trier)
1913 Anschaffung einer Kirchenuhr
1920 Die Pfarrei schaffte drei neue Glocken (Mabilon, Saarburg) an. Die beiden größten wurden 1942 zu Kriegszwecken eingezogen. Die übriggebliebene Marienglocke wurde 1851 an die Pfarrei Kinderbeuren verkauft.
1931 Am Christkönigsfest, dem 25. Okt. 1931 wurde die alte Orgel, Vorgängerin unserer jetzigen Orgel (Gebr. Späth, Ennetach-Mengen) eingeweiht. Die 22 klingenden Register hatten 1860 Pfeifen aus Holz, Zink oder Zinn. Es gab 2 Manuale und das Pedalwerk. Im Februar 1945, kurz vor Kriegsende wurde die Orgel beschädigt. Die größten Schäden wurden zwar bald behoben, doch vergingen fast 30 Jahre, bis man eine Orgelrestaurierung ins Auge fassen konnte. Wegen dem erheblichen Kostenaufwand lohnte es sich nicht, die Orgel zu renovieren. Man schlug daher den Bau einer neuen Orgel vor. Damit war das Schicksal der alten Orgel besiegelt.
1947 Notdürftige Reparaturen, der im zweiten Weltkrieg schwer beschädigten Kirche (Turm mit niedriger Kappe; neuer Hahn aus Geschützkartuschen)
27.05.1951 Weihe der vier neuen Glocken (Vereinigte Stahlwerke, Bochum). Die vier Glocken hingen festlich geschmückt vor den Treppenstufen des Chores:
St. Martinus, Sta. Maria, St. Donatus, St. Petrus. Jedes Geläut ist musikalisch zusammengestellt. Unser Geläut ist ein ausgefüllter moll-Dreiklang. Die Töne in der Reihenfolge es, ges, as, b läuten nach Melodie eines bekannten Motivs in der Kirchenmusik: "Per omnia saecula saeculorum"
1957 Eine elektrische Läutanlage wurde eingebaut
1959 Neue Chorfenster (Schwarzkopf), heute im rechten Seitenschiff
1971-1976 Große Renovierung in drei Bauabschnitten:
1. Außenrenovierung des Turmes und Erneuerung des Turmhelmes. Der am Boden vorgefertigte 27m hohe Turmhelm wurde mit einem 200-Tonnenkran 32m hochgezogen und auf dem Turm eingepasst.

2. Außenrenovierung der Kirche, Ausbesserung des Mauerwerkes mit Außenisolierung, Erneuerung der ganzen Dachfläche.
3. Innenrenovierung und Erneuerung der neugotischen Kirche: Ausmalung, Ergänzung des Inventars, neuer liturgischer Volksaltar, unter Beibehaltung der neugotischen Wandaltäre, teilweise neue Fenster.
07.11.1982 Orgelweihe der neuen Orgel.

Quelle: Festschrift 100 Jahre Pfarrkirche St. Peter zu Welschbillig